VHS Schmalkalden-Meiningen: Jeder ist Anders

von Katharina Reinhold

Den Umgang mit Anderssein spielerisch-kreativ erproben und über Kunst und Geschichte in Austausch kommen - diesen Ansatz verfolgten die Beteiligten an der Jugendaktionswoche "Jeder ist anders" vom 2. bis 6. März 2015 im thüringischen Meiningen.

© vhs Schmalkalden-Meiningen

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderungen setzten sich gemeinsam kreativ und inhaltlich mit dem Thema „Anderssein“ und Diskriminierung auseinander. Mit dabei waren Schülerinnen und Schüler aus Regelschule, Förderschule, Gymnasium und Beschäftigte des LebenshilfeWerks Meiningen. Organisiert wurde das Projekt von der Christophine Kunstschule der Volkshochschule Schmalkalden-Meiningen.


Gemeinsam Kunst betrachten und selbst künstlerisch tätig werden

Die Teilnehmenden mit und ohne Behinderungen lernten einander, unterstützt durch kreative Methoden, kennen. Förder- und Regelschüler besuchten gemeinsam die Ausstellung „Wir & Ihr“ mit Bildern von Künstlerinnen und Künstlern der Lebenshilfe in der städtischen ada-Galerie. Die Bilder waren im Rahmen eines Malkurses für Beschäftigte der Lebenshilfe an der Kunstschule entstanden. Dabei konnten die Schülerinnen und Schüler mit den Künstlerinnen und Künstlern vor Ort in der Ausstellung über ihre Arbeiten sprechen. Einige machten sich Skizzen und Notizen.

Gemeinsam mit den Lebenshilfe-Künstlerinnen und Künstlern malten sie anschließend unter Anleitung eines Künstlers und einer Kunsttherapeutin im Malraum der Christophine Kunstschule „Resonanzbilder". Darin verarbeiteten sie, was sie an diesem Tag bewegt und beeindruckt hat. Beim gemeinsamen Malen waren Berührungsängste schnell überwunden und die Teilnehmenden gaben sich gegenseitig Tipps und kamen ins Gespräch. Die Projekttage standen unter den Titeln „Kreative Begegnung“, „Selbsterfahrung“ und „Geschichte und kreative Begegnung“.

Auseinandersetzung mit „Euthanasie“-Verbrechen der Nationalsozialisten

Eine Gruppe der jugendliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer befasste sich mit dem dunklen Kapitel der nationalsozialistischen „Patientenmorde“ bzw. „Euthanasie". Dabei erarbeiteten sie unter anderem mit Quellen aus dem Stadtarchiv, wie „Anderssein“ zur Zeit des Nationalsozialismus zu einem Todesurteil werden konnte. Sie beschäftigten sich mit der „Aktion T4“, der systematischen Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen in den Jahren 1940-45 während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland.

Anschließend lernten die Jugendlichen einige Beschäftigte der Lebenshilfe kennen und verbrachten den Tag gemeinsam mit Ausstellungsbesuch und Malen. „Angst hat man immer nur vor etwas Fremdem. Sobald man aber an einem Tisch sitzt und sich miteinander beschäftigt, ist dieses Gefühl weg. Gerade kreative Begegnungen können das schaffen“, sagt Kunstschulleiterin Beatrice Scherzer.

Anti-Bias-Training

Am vierten und fünften Tag der Woche wurde für die Jugendlichen ein Antidiskriminierungstraining mit Übungen des Anti-Bias-Ansatzes durchgeführt. Sie beschäftigten sich mit diskriminierender Sprache, eigenen Diskriminierungserfahrungen und Diskriminierung im Alltag und entwickelten gemeinsam Handlungsmöglichkeiten.

Fazit der Verantwortlichen

Die Projektverantwortliche Beatrice Scherzer resümierte: „Die Aktionswoche war im Ergebnis ein voller Erfolg. Leider war die Gewinnung junger Teilnehmerinnen und Teilnehmer außerhalb der Schulzeit sehr mühsam, doch es hat sich gelohnt. Vom unverkrampften gemeinsamen Tun haben alle Beteiligten enorm profitiert. Die LebenshilfeWerk-Beschäftigten fühlten sich wertgeschätzt und die Kinder und Jugendlichen machten die Erfahrung: ˏDieˊ sind ja gar nicht so ˏandersˊ! Die Annahme, dass die Angst vor dem Fremden sich von selbst erledigt, sobald man sich kennenlernt, hat sich aufs Anschaulichste bewahrheitet.“

Deutscher Volkshochschul-Verband
GEMINI
Logo von Demokratieführerschein.de