VHS Kempten: Lieblingsorte gemeinsam (er-)leben!

von Katharina Reinhold

Wo bin ich gern? Was tue ich dort? Was kann ich dort sehen, hören, riechen und erleben? Wie kann ich dies anderen Menschen nahebringen? 19 Jugendliche mit und ohne Behinderungen aus Kempten und Umgebung befassten sich im Rahmen eines Kurses mit ihren Lieblingsorten. Gemeinsam erstellten sie Audio-Beiträge für sogenannte Hörstationen. Diese wurden zu einem Hörpfad zusammengefügt, der mit einer App und im Internet einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

© vhs Kempten

Der Hörpfad entsteht

Die Jugendlichen wählten ihre Lieblingsorte selbst aus. Dabei überlegten sie gemeinsam, wie behinderte und nicht behinderte Menschen diese Orte erleben – ob es Unterschiede gibt oder nicht. Begleitet wurden die Jugendlichen dabei von einem Team, das im Projekt Hörpfade des Bayerischen Volkshochschulverbandes e.V. in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk geschult wurde. Zusätzlich übernahmen Mitarbeiterinnen der Kooperationspartner (Heilerziehungspfleger/-innen) die Betreuung und Begleitung.

Die Teams entwickelten gemeinsam Drehbücher, lernten, die Aufnahmegeräte zu bedienen, führten Interviews durch, nahmen Geräusche auf und bearbeiteten die Aufnahmen abschließend am Computer.

Die Ergebnisse sind nun allen Interessierten zugänglich. Sie wurden verschiedenen Politikern und Mandatsträgern vorgestellt, die sich sehr positiv über das Projekt äußerten.

Gruppengefühl

„Der Umgang der Jugendlichen, ob mit oder ohne Behinderungen, untereinander war sehr wertschätzend, hilfsbereit und kommunikativ. Die gemeinsame Arbeit an dem Projekt und das Ziel, gute Geschichten zu erzählen, ermöglichten eine intensive Zusammenarbeit und dadurch ein gutes Kennenlernen. Es ergaben sich neue Freundschaften“, sagt Peter Roth, Leiter der VHS Kempten. Der Zuspruch bei den Jugendlichen war groß – ursprünglich waren 14 Teilnehmende eingeplant, es fanden sich jedoch 19 Jugendliche, die dabei sein wollten.

Teilnehmende

Die VHS nahm Kontakt zu verschiedenen Betreuungseinrichtungen für behinderte junge Menschen auf, um Kooperationsmöglichkeiten zu sondieren. Nach Vorgesprächen konnte die „Offene Behindertenarbeit“ des Vereins für Körperbehinderte Allgäu als Kooperationspartner geworben werden. Nicht behinderte Jugendliche wurden über Kontakte der VHS und Kooperationspartner (z.B. Schulen) geworben.

Lieblingsort Freitagsclub

Eine Gruppe stellte als Lieblingsort den Freitagsclub der Lebenshilfe vor, einen offenen Treff für Menschen mit Behinderung. Jeder Freitag steht unter einem anderen Motto. Toast Hawaii und Karaoke stehen im Mittelpunkt des Treffens, das im Audio-Beitrag vorgestellt wird. Die fröhliche Stimmung wird im Beitrag ebenso deutlich wie die Bedeutung, die das zwanglose Treffen für die jungen Leute hat.

Diesen und weitere Beiträge der Lieblingsorte können Sie sich hier anhören.

Weitere inklusive Projekte

Die VHS Kempten plant weitere Projekte, an denen behinderte und nicht behinderte Menschen gemeinsam teilnehmen können, z.B. gibt es inklusiven Instrumentalunterricht in Kooperation mit der Sing- und Musikschule. Weitere inklusive talentCAMPus-Projekte wie etwa gemeinsame Ferienprogramme, die über das Programm „Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert werden, sind in Planung.

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