Wo gehts denn hier zum Amt?

Was macht eigentlich ein Schulentwicklungs- oder Stadtplanungsamt? Und worum kümmert sich ein Bürgeramt im Stadtbezirk? Das sind Fragen, auf die eine Gruppe Kölner Acht-und Neutklässler vor allem aus Migrantenfamilien jetzt genauer Antwort geben kann. Drei Tage lang konnten die Jugendlichen die Arbeit von zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus sechs städtischen Stellen kennen lernen.

Bei dem Projekt ging es jedoch um weit mehr als ein Schnupperpraktikum zur Berufsorientierung. Unter dem Stichwort "interkulturelle Öffnung" sprachen die Projektpartner ganz gezielt Jugendliche mit Migrationshintergrund an. Diese bringen oftmals besondere Kompetenzen mit: Erfahrung im Umgang mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, interkulturelle Sensibilität und Kommunikationsfähigkeit und nicht zuletzt Mehrsprachigkeit, die auf dem Amt gefragt ist.

Die Jugendlichen hatten sich alle im Voraus für das Projekt beworben. "Du interessierst dich für Politik oder Verwaltung? Du willst wissen, welche Ämter es in deiner Stadt gibt und was da abgeht? Du möchtest später vielleicht mal bei der Stadtverwaltung arbeiten?", so lautete die Ausschreibung zur Ämterrallye. Ihre interkulturellen Fähigkeiten und Sprachkenntnisse konnten die Jugendlichen bei der Bewerbung als persönliche Stärke herausstellen.

Die Ämterrallye wurde von der VHS Köln in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum (vormals RAA/ Regionale Arbeitsstelle zur Förderung Kinder und Jugendlicher aus Zuwandererfamilien) durchgeführt. Integration soll ein selbstverständliches Prinzip in der Aufgabengestaltung der Ämter in Köln sein - die Schulung und Fortbildung der Mitarbeitenden stellt davon ein wichtiges Standbein dar. Die beteiligten städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden an zwei Nachmittagen auf das Projekt vorbereitet.

Die Ämterrallye für die Jugendlichen selbst begann mit einer Einführung in die Organisationsstruktur der Stadtverwaltung. Dabei wurde deutlich, mit wie vielen Ämtern Menschen täglich in Kontakt kommen. Im Anschluss an den Vortrag starteten die Teilnehmer in Kleingruppen begleitet von drei Referentinnen den Besuch der ausgewählten Ämter: das Bürgeramt Mülheim, das Amt für Weiterbildung, das Jugendamt, das Amt für Schulentwicklung, das Stadtplanungsamt und die Abteilung Ausländerangelegenheiten des Amtes für öffentliche Ordnung. Neben den Aufgaben der Ämter stand im Vordergrund, was das jeweilige Amt konkret für Jugendliche und deren Familien leistet.

Die Rallye-Teilnehmenden verarbeiteten am darauffolgenden Tag die Interviews in einem von einer Journalistin geleiteten Schreibworkshop zu Texten, die so verfasst werden sollten, dass sie vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen. Vom Amt für E-Government und Online-Dienste wurden die entstandenen Texte anschließend für die am nächsten Tag stattfindende Präsentation aufbereitet. Auch wie die Einspeisung der Texte auf die Homepage der Stadt Köln technisch bewerkstelligt wird, konnten die Jugendlichen in diesem Amt erfahren. Anschließend nahmen sie an einem kurzen Training in Präsentationstechniken teil, bei dem sie lernten, wie sie Gruppenergebnisse gemeinsam anschaulich und klar präsentieren können.

Höhepunkt der Ämterrallye war dann die Darstellung der Ergebnisse im Rathaus vor dem Stadtdirektor mit anschließender Diskussion. Im Mittelpunkt des Interesses standen bei den Jugendlichen der Haushalt der Stadt, die Bedeutung mehrsprachiger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei der Stadtverwaltung und die Beteiligungsmöglichkeiten von Jugendlichen bei städtischen Entscheidungen. Im Ergebnis hat sich das Ziel - die aktive Teilhabe der Jugendlichen an der Stadtgesellschaft zu fördern - sinnvoll mit dem Interesse an einer interkulturellen Öffnung der Stadtverwaltung verbunden.

Deutscher Volkshochschul-Verband
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